Kurswechsel

Kurswechsel · Führung & Organisation

Effizienz ist kopierbar.
Die anpassungsfähige Firma nicht.

Mai 2026 4 Min. Lesezeit
Finanzielle Tabelle mit durchgestrichenem FTE – Symbol für Stellenabbau als Krisenwerkzeug

Unter wirtschaftlichem Druck greift man nach dem, was funktioniert hat: sparen, straffen, effizienter werden. Das ist keine schlechte Reaktion – es ist eine nachvollziehbare. Und genau darin liegt eine Chance: Wer erkennt, wann Effizienz allein nicht mehr ausreicht, kann die eigene Firma besser positionieren.

«Die Zeiten der klassischen Manager sind vorbei», schlug mein Kollege kürzlich im Gespräch den Nagel ein. Ursache sei – wie bei so vielem grade – die KI. Geprägt durch menschenorientierte Führung sorgte die Aussage bei mir für kognitive und emotionale Reibung. Der Abgesang auf die People Manager wird derzeit im Chor gesungen.

Inzwischen bin ich zum selben Schluss gekommen, habe dabei aber argumentativ einen anderen Weg eingeschlagen. KI ersetzt klassische Manager nicht einfach. Vielmehr macht sie deren Krisenwerkzeug Nr. 1, den Rotstift, zur potentiellen Falle.

Effizienz als Commodity

Unter Druck suchen Unternehmen nach Effizienz, um Kosten zu sparen. Das ist nachvollziehbar, braucht es doch doppelt Mut, um in wirtschaftlich fordernden Zeiten neue Geschäftsfelder zu erschliessen.

Was gut funktioniert und nicht differenziert wird einfach kopiert.

Das Problem: KI macht IT-basierte Effizienz zur Commodity. Zudem reissen KI-unterstütztes Programmieren (Vibecoding) und der breite Zugang zu Cloud-Services die Eintrittsbarrieren für innovative, skalierbare Produkte nieder. Ein ausserhalb von Unternehmen angesiedelter Bottom-up-Innovations-Boost bedroht die differenzierenden Merkmale der Wertschöpfungskette etablierter Unternehmen.

Nach dem Stellenabbau: Das Zusammenspiel neu kalibrieren

Übrigens: Gerade nach Stellenabbau gilt es, das Zusammenspiel der verbleibenden Elemente wieder aktiv aufeinander abzustimmen, um Perspektiven zu schaffen und nicht die nächste Scheinetappe im Hamsterrad in Angriff zu nehmen.

Was KI nicht kopieren kann

Der durch Technologie und fallende Eintrittsbarrieren verursachte Innovations-Boost braucht eine Firma, die ein entsprechendes Biotop bereitstellt.

Damit verschiebt sich die Aufgabe von Führung grundlegend. Wer ein Unternehmen heute durch diesen Umbruch tragen will, muss es befähigen, sich neu zu positionieren — und zwar so, dass der Innovationsboost, der gerade von aussen auf etablierte Geschäftsmodelle einwirkt, auch im Inneren der eigenen Organisation entstehen kann.

Was dabei nicht kopierbar ist: wie eine Firma denkt, entscheidet und sich ausrichtet, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern. Anpassungsfähigkeit ist kein Projekt. Sie ist eine Eigenschaft – und sie entsteht nicht durch Stellenabbau.

Kurz gesagt

Der klassische Manager scheitert nicht an der KI – sondern daran, dass sein bewährtes Krisenwerkzeug in einer Welt, in der Effizienz zur Commodity wird, die eigene Differenzierung untergräbt.

Die neue Führungsaufgabe: Bedingungen schaffen, unter denen die Firma anpassungsfähig bleibt. Was das jeweils bedeutet, hängt vom Kontext ab – nicht von einer Innovationsagenda.

Lust, mit dem eigenen Unternehmen einen Schritt in diese Richtung zu machen?

Machen Sie Ihr Bauchgefühl für den Ist- und Sollzustand kommunizierbar. Denn wer nicht dieselben Probleme sieht, wird nicht an einer gemeinsamen Lösung arbeiten.

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